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Ein Immunsystem für den Computer
Ansteckungsgefahr
Sind für den Menschen Bakterien, Viren und Parasiten wie Würmer schädlich, sind es beim Computer digitale Viren, digitale Würmer, digitale Trojaner und andere Schädlinge. Und davon gibt es jede Menge. Sie lauern in E-Mails, auf Websites und USB-Sticks darauf, in immer neue Computer einzudringen. Dort vermehren sie sich, verbreiten sich, spionieren nach vertraulichen Daten und zerstören Programme und Dateien – wenn sie nicht von Antiviren-Software daran gehindert werden. Ganz ähnlich wie das Immunsystem beim Menschen sorgt Antiviren-Software im Zusammenspiel mit weiteren Sicherheitsmaßnahmen beim Computer dafür, dass dieser ungestört seinen Aufgaben nachgehen kann.
Antiviren-Programme für alle?
Wer mit seinem Computer ins Internet geht, sollte vorher dafür sorgen, dass der Computer gegen Schädlinge abgesichert ist. Die meisten Verbraucher benutzen ein Windows-Betriebssystem von Microsoft. In der Vergangenheit haben sich die verschiedenen Windows-Varianten als besonders anfällig für Viren, Würmer & Co. erwiesen. Ohne Antiviren-Software wird ein Windows-PC im Internet innerhalb von Minuten von Schädlingen befallen. Aber auch PCs ohne Internetverbindung können über Disketten, USB-Sticks, CD-ROMs oder DVDs infiziert werden. Es ist auch schon vorgekommen, dass kommerzielle Software bei der Auslieferung ab Werk unerwünschte Besucher mitbrachte. Deshalb ist der Einsatz von Antiviren-Software für Windows-Betriebssysteme unverzichtbar.
Andere Betriebssysteme sind von Schädlingen weniger bedroht. Das liegt einerseits daran, dass das „eingebaute Immunsystem“ von Mac OS X oder Linux wirksamer arbeitet. Daten- und Programmzugriffe werden von diesen Betriebssystemen stärker kontrolliert und unbefugte Aktionen wirksamer unterbunden. Auf der anderen Seite sind Computer mit Mac OS X oder Linux weniger verbreitet und werden schon deshalb seltener zum Ziel von Angriffen. Wer sein Mac OS X oder Linux immer mit den neuesten Sicherheitsaktualisierungen ausstattet, ist vor Schädlingen aus dem Internet auch ohne Antiviren-Software recht gut geschützt.
So funktioniert Antiviren-Software
Schädlinge wie Viren, Würmer oder Trojaner nutzen Sicherheitslücken im Betriebssystem oder in Anwendungsprogrammen aus, um den Computer zu infizieren. Antiviren-Software versucht, die Schädlinge genau daran zu hindern. Die meisten Antiviren-Programme untersuchen dazu – „scannen“ – den ein- und ausgehenden Datenverkehr sowie die Festplatten eines Computers auf Auffälligkeiten. Viele Schädlinge lassen sich anhand ihrer charakteristischen Merkmale in infizierten Dateien und Programmen erkennen. Die Antiviren-Programme versuchen dann, die Schädlinge zu entfernen oder die infizierten Dateien unter Quarantäne zu stellen.
Die Beschreibungen der Merkmale von Schädlingen, die so genannten Signaturen, werden vom Antiviren-Software-Hersteller in Listen geführt und immer wieder aktualisiert. Je nach Hersteller werden neue Listen einmal täglich zum Herunterladen bereitgestellt oder sogar häufiger. In den aktuellen Signaturlisten sind die neuesten Schädlinge vermerkt, um das Immunsystem des Computers immer auf dem Laufenden zu halten. Um gut geschützt zu sein, sollte man die Aktualisierungen immer pünktlich einspielen.
Modernere Schutzverfahren basieren auf der so genannten heuristischen Verhaltensanalyse von Programmen. Die Antiviren-Software beobachtet dazu, wie sich installierte Programme normalerweise bei der Benutzung verhalten. Sollte ein Programm von einem Schädling befallen werden und sich deshalb anders als üblich verhalten, schlägt die Antiviren-Software Alarm. In vielen Fällen können mit der heuristischen Analyse Schädlinge schon erkannt und bekämpft werden, bevor ihre Signatur dem Hersteller bekannt ist.
Die Kombination aus Echtzeit-Virenscanner und heuristischer Verhaltensanalyse bietet heute einen recht wirksamen Schutz vor Schädlingsbefall. Der hohe Aufwand für ein solches Immunsystem hat allerdings auch seinen Preis. Die Antiviren-Software verbraucht beim Einsatz beider Verfahren sowohl Speicher als auch Rechenzeit. Mit anderen Worten, der Computer kann andere Programme nicht mehr so schnell ausführen. Besonders auf älteren Computern mit wenig Arbeitsspeicher kann der Geschwindigkeitsunterschied erheblich sein. Unter Umständen ist der PC dann zwar gut gesichert, aber kaum noch zu gebrauchen.
Komplettpakete für die Sicherheit
Die meisten Hersteller von Antiviren-Programmen bieten ganze Sicherheitspakete an. Diese beinhalten neben der Antiviren-Software meist noch:
- ein Firewall-Programm;
- einen Phishing-Schutz für verschiedene Webbrowser;
- Software zum Schutz vor Werbeprogrammen (Adware), Spionage-Software (Spyware) und Rootkits;
- einen Spam-Filter zum Schutz vor unerwünschter E-Mail-Werbung.
Manche Anbieter liefern zusätzlich noch eine Kindersicherung, einen Schutz vor Programmen, die unbefugt das Modem steuern (Dialer-Schutz) oder eine Passwort-Verwaltung mit. Im Wettbewerb untereinander statten die Firmen ihre Produkte mit immer neuen Fähigkeiten aus.
Solche Komplettpakete kosten oft nicht viel mehr als reine Antiviren-Programme. Dafür bekommt man eine Lösung aus einer Hand und muss sich nicht mit unterschiedlichen Konfigurationsansätzen für Antiviren-Programm, Firewall, Spam-Filter und so weiter herumschlagen. Als Nachteil schlägt aber auch hier zu Buche, dass die Komplettpakete noch mehr Ressourcen beanspruchen.
Was passt?
Vor der Entscheidung für eine bestimmte Antiviren-Lösung sollte man sich kundig machen, welche Software für den eigenen PC gut geeignet ist. Die Stiftung Warentest und viele Computermagazine untersuchen regelmäßig Antiviren-Programme. Die Testergebnisse geben unter anderem Auskunft über die Benutzerfreundlichkeit, die Leistungsfähigkeit und den Ressourcenbedarf der Programme. Wer viel online ist, sollte darauf achten, dass aktuelle Signaturen mehrmals am Tag vom Hersteller bereitgestellt werden.
Die Kosten für die Programme liegen üblicherweise zwischen 20 und 50 Euro pro Jahr. Der Preis deckt neben der Anschaffung der Software auch die Aktualisierungen von Programm und Schädlingssignaturen für 12 Monate ab.
Neben kommerziellen Lösungen gibt es im Internet auch eine ganze Reihe kostenloser Antiviren-Programme. Diese schneiden in Tests zum Teil recht gut ab. Allerdings muss man bei diesen Programmen genau auf die Lizenzbestimmungen achten. In vielen Fällen ist der Einsatz nur für den persönlichen, privaten Gebrauch gestattet. Ein Einsatz im Beruf oder im Verein ist dann in der Regel nicht erlaubt.
Für Mac OS X und Linux gibt es nicht viele Antiviren-Angebote zur Auswahl, weder kommerziell noch kostenlos. Die Experten streiten sich darüber, ob solche Programme für diese Betriebssysteme viel Sinn machen. Eine klare Empfehlung zu ihrem Einsatz gibt es nicht. Ganz egal, für welche Lösung man sich entscheidet: Die Aktualisierungen müssen regelmäßig installiert werden. Um noch einmal auf das Immunsystem zurück zu kommen: Der Impfschutz muss regelmäßig aufgefrischt werden – beim Menschen und beim Computer.
Aufräumen, wenn nötig
Etwa im Jahresabstand liefern die Antiviren-Hersteller neue Versionen ihrer Schutzprogramme aus. Diese sind dann leistungsfähiger als die älteren Versionen und verfügen oft über eine verfeinerte Schädlingserkennung. Im Normalfall empfiehlt es sich, auf die neue Version umzusteigen.
Die Installation einer neuen Programmversion, das so genannte Upgrade, kann auf zwei verschiedenen Wegen erfolgen. Der erste Weg ist das automatische Upgrade, bei dem die neue Version ohne vorherige Entfernung der alten Version installiert wird. In vielen Fällen funktioniert das problemlos.
Manchmal gibt es aber doch Schwierigkeiten mit dem automatischen Upgrade. Dann ist es besser, wenn Sie die alte Software-Version erst gründlich entfernen und anschließend die neue Version installieren. Um wirklich alle Überreste der alten Antiviren-Software von Ihrem Computer zu entfernen, bieten die meisten Antiviren-Hersteller spezielle Hilfsprogramme an. Diese finden Sie entweder auf dem Installationsmedium der neuen Software-Version oder im Internet auf der Websites des jeweiligen Herstellers.





